Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Am 23. Februar 1915 wurden in Berlin die ersten Brotkarten ausgegeben. Im Steckrübenwinter 1916/1917 waren diese Brotkarten nur noch Papier. Die schon am 2. November 1914 von Groß-Britannien verhängte Seeblockade erschwerte die Versorgung der deutschen Bevölkerung. Die Importe aus Österreich-Ungarn und Rumänien gingen stark zurück. In Galizien waren Vieh, Getreidevorräte und noch nicht geerntete Feldfrüchte durch Kampfeinsätze vernichtet worden und in Deutschland fehlte es an Arbeitskräften für die Erntearbeiten. Viehbestände wurden zur Versorgung der Truppen eingezogen, die dramatische Missernte 1916 führte nahezu gänzlich zum Zusammenbruch der Versorgung und die Getreidepreise stiegen ins unermessliche.

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

23. Februar 1915

Heute bin ich in Matton geblieben. Es ist eine Lust zu leben hier weit hinter der Front, wo man kein Schießen hört. Heraus aus dem Getümmel des Krieges zwischen feindlichen Dorfbewohnern, mit unserer Kolonne allein. Wir fühlen es doppelt diese Ruhe, man spürt wieder Lust am Leben. Man freut sich auf den Frühling und hofft doppelt auf baldigen Frieden.

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Reklame im Berliner Tageblatt am 13. Februar 1915

Eintrag