Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

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Beide Anzeigen: Der Weltspiegel Nr. 97, 3. Dezember 1916, Illustrierte Halb-Wochenschrift im Berliner Tageblatt

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

24.–26. Dezember 1916

24. Dezember 1916. Heute morgen war ich nach der Stellung mit dem Auto gefahren. Auf dem Rückweg fuhren wir über Douchy-Ayette nach Ablainzevelle zurück. Heute Abend haben wir auch etwas Heiligabend gefeiert. Hatten uns auch einen Tannenzweig geschmückt, haben etwas gut gegessen. Vorher war ich zur Beichte im Kino, im Gotteshaus liegen Truppen.

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Fotografie: Franz Vogt

25. Dezember 1916. Weihnachten. Das dritte Mal im Felde. Wir feiern zwar hier, aber der Geist ist zu Hause bei unseren Lieben. Kaum rechte Freude will hochkommen. Tränenden Auges singen wir Stille Nacht.

26. Dezember 1916. Heute morgen war ich zur heiligen Kommunion. Habe dann am Nachmittag einen Spaziergang gemacht und meinen Gedanken, die immer wieder nach Hause eilten, freien Lauf gelassen. Das gebe Gott, dass es das letzte Kriegsweihnachten ist.

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Kriegsweihnachten 1916. Ein karges Weihnachten. Lebensmittel sind knapp. Fett, Eier, Fleisch und Milchprodukte gibt es nur auf Lebensmittelkarten. Allerdings – ob mit oder ohne Lebensmittelmarken – auch nach stundenlangem Schlange stehen,  gibt es nichts oder viel zu wenig.  Die Zeitungen sind voll mit Rezepten, die den Mangel überlisten sollen. »Ein Kriegskuchen ohne Fett und Eier hergestellt, sehr geeignet, ihn auch ins Feld zu schicken, wegen seiner Haltbarkeit. 500 Gramm Mehl, 200 Gramm Zucker, 1/4 Liter Milch oder Milifix, 250 Gramm geriebene gekochte Kartoffeln, vom Tage vorher, Saft einer halben Zitrone, etwas abgeriebene Schale, 12 geriebene Nüsse oder Mandeln, 2 Päckchen Backpulver.« Kriegsnummer. Für unsere Frauen und Mütter. Beilage zum Naturarzt. Berlin, Dezember 1916.

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5 Millionen Soldaten aller Seiten wurden 1916 getötet, verwundet oder gefangen genommen. Etwa 1,4 Millionen davon waren Deutsche. R. G. Grant: Der Erste Weltkrieg · Die Visuelle Geschichte. München 2014, S. 153)

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Der nächste Beitrag erscheint am 1. Januar 2017.

 

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