Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

2016-04-23 BT_236
Berliner Tageblatt, 23. April 1916

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

26.-28. April 1916

26. April 1916. Was für ein herrlicher Morgen, so warm und sonnig. Eine Lust, draußen zu sein in Gottes schöner Natur. Machte heute morgen schon einen schönen Spaziergang, bin dann nachher über Taintignies, die große Liller Heerstraße benutzend, nach Cysoing zurückgefahren. Die großen Straßen in Frankreich und Belgien zeichnen sich noch vor den deutschen aus, sind furchtbar breit, haben an einer Seite Reitweg, an der anderen Trottoir.

27. April 1916. Heute morgen war ich in Cysoing zum Baden. Bin dann mittags nach Guignies gefahren. Unterwegs habe ich in Esplechin eine Flasche Wein getrunken. Man passiert schöne Parkanlagen und Schlösser, viel Höhen und Täler, eine saftige, romantische Gegend. Besonders Taintignies ist sehr schön.

28. April 1916. Heute morgen bin ich schon früh aufgestanden. War in der Kirche, wo schon ziemlich viel Leute der heiligen Messe beiwohnten. Zu meiner Freude konnte ich auch einige Männer zur Kirche gehen sehen. Sie machten den Eindruck unserer Bauern, derb und bieder. Sie wären nicht fähig, deutsche Soldaten hinterrücks abzumurksen. Nicht weit vom Dorfe sieht man ein schönes großes Kloster mit Kapellen und Türmen, wunderschön gelegen. Heute nachmittag bin ich wieder nach Cysoing zurückgefahren. Unterwegs war ich in einem belgischen Dorfe in einer Wirtschaft und trank ein Glas Bier. Die junge Frau mit drei Kindern erzählte mir vergnügt, ihr Mann wäre in Deutschland gefangen. Er arbeitete beim Bauern und er wäre sehr gut zufrieden. Wenn der Krieg vorbei wäre, käme er wieder.

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Gefangene französische Soldaten auf einem deutschen Bauernhof.
Quelle: Almanach illustré de la Gazette des Ardennes pour 1917. Deutsche Propagandaschrift in französischer Sprache. Illustrierte Almanache der Gazette des Ardennes erschienen für 1916, 1917 und 1918. Die Gazette des Ardennes war ein wichtiger Teil der deutschen Propaganda im Ersten Weltkrieg. Der Kaiser ließ sie sich regelmäßig zusenden.

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»27. 4. 1916, Donnerstag. Das Berliner Polizeipräsidium teilt mit, dass aufgrund von Verstößen gegen die Höchstpreisverordnungen täglich 50 bis 60 Personen festgenommen werden wurden.« Quelle: chroniknet.de/extra/ereignisse/april-1916

 

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