Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

26.–29. November 1914

26. November 1914. Heute wurde unser Wagenpark verlegt, weil die Bäume auch hier das Laub fallen lassen und wir dann vor feindlichen Fliegern nicht mehr sicher. Der neue Park liegt in einer Tannenanlage oberhalb des Dorfes. Wunderschöner Platz. Der Weg, welcher ständig steigt, geht mitten durch und endet oben vor einem Mausoleum, in welchem Keller 16 Tote ruhen sollen. Oben ist eine geräumige Kapelle. Leider sind die schönen gemalten Fenster vom Schiessen demoliert. Wahrscheinlich ist die ganze Geschichte von einem Reichen angelegt.

27. November 1914. Heute wurde zum ersten Male Weizen gedroschen. Die Kolonne will nämlich selbst backen, ein Ofen wurde schon beschlagnahmt. Die Franzosen essen hier immer so halbmondförmiges weisses Brot, schmeckt nach nichts. Was unser Bäcker machen will – ich weiss es noch nicht. Vielleicht backt er noch Brötchen und Kuchen zu Weihnachten.

28. November 1914. Sonnabendabend auf der Wachtstube. Ein flatterndes Holzfeuer im Ofen. Die Posten aufgezogen. Die anderen schlafen. Jetzt ist’s halb zwölf Uhr, komme gerade von draussen. Alles in tiefer Ruhe. Nur der Posten stampft auf und ab, und von fern hört man ab und zu schwere Schüsse. Morgen ist der erste Adventssonntag. Weihnachten vor der Tür. Eine ganz heimliche Sehnsucht beschleicht einen doch, wenn man an die Heimat denkt in diesem gefährlichen Land.

29. November 1914. Wieder eine Nacht im Wachlokal vorüber. Sonderbar so eine Nacht auf Stroh, in Decken gehüllt. Alle zwei Stunden kommt ein Posten, stösst die Nachfolger mit dem Fuss unter die Stiefelsohlen wach. Stehen diese auf, langsam und schwerfällig. Suchen noch ihren Karabiner, stampfen hinaus. Zwei Mann kommen wieder und alles ist wieder still. Zwar ist’s Sonntag heute, aber es ist ähnlich hier, als wenn in Deutschland die Katholischen Feiertag haben. Einzelne gehen zur Kirche, andere fahren Mist, holen Holz, kommen aus ihrem Alltag nicht heraus. Soeben kriegte ich ein Päckchen von August Kellersmann aus Meppen.

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