Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

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»Dieser Vortrag wurde zum Besten des Breslauer Nationalen Frauendienstes als Kriegsvortrag Breslauer Hochschullehrer 1915 gehalten und erscheint hiermit in erweiterter Form.«

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale. Kontakt: mail@handschriften-lesen.de

Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

28.-31. Januar 1916

28. Januar 1916. Wieder ein Tag verflogen zu den anderen, alles wie gewöhnlich.

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» Die erregende, Stimmung hebende Wirkung des Alkohols, die den Grund für die außerordentliche Beliebtheit spirituöser Getränke bei den meisten Völkern der Erde bildet, macht ihn natürlich auch begehrt im Kriege nach den ermüdenden Anstrengungen des Militärdienstes, in den kalten Erdlöchern und Schützengräben, in den oft jeder Behaglichkeit entbehrenden Quartiere hinter der Gefechtslinie. Aber es ist ja heute genügend bekannt, daß der anregenden Wirkung eine lähmende folgt und daß den Alkohol meiden muß, wer besonders schwere körperliche und psychische Leistungen voll bringen will. In größeren Mengen genossen stellt der Alkohol ein Nervengift dar, das um so schädlichere Wirkungen entfalten muß, je höhere Anforderungen an die Nerven gestellt werden. Schon der gewöhnliche Rausch muß als eine schwere Geistesstörung angesehen werden, und niemand würde Bedenken tragen, einen Betrunkenen für geisteskrank zu halten, wenn nicht der Anblick ein so häufiger wäre und man nicht wüßte, daß er sich mit Alkohol übernommen hätte.« Alois Alzheimer: Der Krieg und die Nerven. Breslau 1915. S. 13

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29. Januar 1916.

Sonst alles beim Alten in Don. Unsere Frau hat sich wieder gebessert. Ein Mann erzählte mir heute, dass auf der Blanchisserie zwei erste Direktoren Deutsche gewesen waren und nachher eingezogen oder abgereist seien.

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Paris, Rue de Menilmontant. Quelle: Source gallica.bnf.fr/Bibliothèque nationale de France

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Lange Zeit glaubte man die Städte weit hinter den aktiven Frontlinien außerhalb der Reichweite des Feindes. Ende 1915 aber beschließt der deutsche Generalstab als neue Strategie die Bombardierung französischer und britischer Städte. Am 29. Januar 1916 wirft ein Zeppelin 17 Bomben über dem Osten von Paris ab, die 26 Personen in den Vierteln von Belleville und Ménilmontant töten. (G. F.)

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30. Januar 1016. Starker Nebel. War schon früh zum Regiment, ein schöner Spaziergang. Konnte höchstens zwanzig Meter weit sehen. Kein Schuss. Alles so still und friedlich, so schön. War nachher zur heiligen Messe. Es finden sich etwas mehr Leute ein, besonders Männer. Ich kann es aber immer noch schlecht begreifen, was die Leute denken, gehen einfach nicht zur Kirche. Unsere Madame, so nett, so sauber, wer begreift es, geht einfach nicht zur Messe.

31. Januar 1916. Dasselbe Leben und Treiben.

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