Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

29.-31. März 1916

 

29. März 1916. Punkt zwölf Uhr ist die Kolonne abgerückt nach Seclin, um dort Quartier zu beziehen. Soldaten sowohl wie Zivil haben schmerzlich Abschied genommen. Vielen standen die Tränen in den Augen.

30. März 1916. Tag und Nacht muss ich am Telefon stehen. Immer Ferngespräche und Telegramme. Truppen kommen, Truppen gehen. Das ganze 7. Korps und unsere Division werden abgelöst. Jetzt, wo die Truppen, welche so lange hier waren, weg sind und neue an deren Stelle getreten, klammert sich das Zivil an uns. Ich bin ortsbekannt geworden, alle rufen mich ins Haus, bewirten mich mit allem Nötigen und wollen gut sein, nur mit den neuen Truppen wollen sie nichts zu tun haben.

31. März 1916. Heute wird die Kommandantur übergeben. Habe etwas weniger Arbeit. Machte überall in bekannten Häusern Visite und Unterhaltungen. Gar nicht mögen sich die Einwohner an die neuen Soldaten gewöhnen.

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Das Fort Seclin, auch Fort Duhoux genannt, diente ab Oktober 1914 bis zu seiner Befreiung durch britische Truppen im Oktober 1918 den deutschen Besatzern von Lille als Kaserne und Munitionsdepot. In dieser Anlage befindet sich heute das Artillerie-und Kavallerie-Museum von Mme et M Didier Boniface. (https://www.lavoixdunord.fr/region/un-musee-une-oeuvre-au-fort-de-seclin-les-vestiges-de-ia19b0n1488965) Foto: Gisela Fleischmann, Mai 2016

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Rainer Rother (Hg.): Der Weltkrieg 1914–1918. Ereignis und Erinnerung; Berlin 2004. »Das Telefon wurde im Stellungkrieg zum wichtigsten Kommunikationsmittel. Durch eine stetig zunehmende Technisierung der Kriegsführung stieg auch der Bedarf an Kapazitäten zur Nachrichtenübermittlung. Im laufenden Kampfgeschehen mussten die sich unterschiedlich zusammengesetzten Verbände und die Waffengattungen, so etwa die Infanterie und die Artillerie, immer präziser aufeinander abstimmen.«

Eintrag