Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

»Habgier, Intoleranz, Machtstreben – das sind Motive, welche die Kriegsentscheidung vorantreiben, und diese Motive werden häufig durch eine Ideologie gerechtfertigt; zuerst aber ist da die Leidenschaft, der verkehrte Antrieb. Die Ideologie ist eine Rechtfertigung, und wenn keine Ideologie vorhanden ist, dann gibt es die Antwort des Kain: ›Was geht mich das an?‹, ›Bin ich der Hüter meines Bruders?‹ (Gen 4,9). Der Krieg schaut niemandem ins Gesicht: Alte, Kinder, Mütter, Väter… ›Was geht mich das an?‹« radio vatican, aus der Papstpredigt in Redipuglia am 13. September 2014

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

mail@handschriften-lesen.de www.handschriften-lesen.de

Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

28.–31. Dezember 1915

28. Dezember 1915. Schon früh war ich nach Hautay zum Befehlsempfang. Wieder waren Flieger über Don, sehr interessant dieser Luftkampf, ein großartiges Schauspiel.

1915-12-26_BT_472

Berliner Tageblatt 25. Dezember 1915

»Die Deutsche Kriegsausstellung, die am 8. Januar in den / Ausstellungshallen am Zoologischen Garten eröffnet werden / soll, wird in der Hauptsache Beutestücke zeigen: Geschütze, Fahr-/zeuge, Handwaffen, Munition, Uniformen, Flugzeuge, außerdem noch / Drucksachen und Bilder. Unter den Geschützen, die ausgestellt / werden, finden sich viele, die durch die Art ihrer Zerstörung besonders / bemerkenswert sind, unter den Handfeuerwaffen alle möglichen / Flinten, von der benagelten Donnerbüchse des Mittelalters bis zur / leichten Windbüchse, wie sie namentlich den Frank-/ tireurs in Frankreich und Belgien abgenommen wurden. Die Ausrüstungs-/ gegenstände, Uniformen, Schuhwerk und so weiter, werden be-/ sonders reichhaltig vertreten sein.«

______

»Was in der Kriegsausstellung fehlt. Der jetzt 28 Jahre alte Ingenieur und Chemiker Theodor v. Friedberg hatte sich bei Beginn des Krieges freiwillig zum Militär gemeldet. Er kam nach der Ausbildung an die Front und erhielt in einem Gefecht vier Schüsse in das linke Knie. Das Bein wurde steif und kürzer, so daß Friedberg jetzt nur mühselig mit Stöcken gehen kann. Überdies erlitt er infolge des Luftdrucks einer Granate eine Nervenerschütterung und er ist seit diesem Unglück Epileptiker. Während seiner Dienstzeit ist er Korporal geworden. Im vorigen Jahre wurde Friedberg als zu jedem Militärdienst ungeeignet und bürgerlich erwerbsunfähig aus dem Heeresverband entlassen. Es wurde ihm die gesetzliche Invalidenpension von 6 Kronen monatlich vorläufig auf die Dauer von zwei Jahren angewiesen und vielleicht noch ein paar Kronen Verwendungszulage.« Die Fackel, Wien, 2. August 1916, S. 27

28. Dezember 1915. War heute auf der Kommandantur beschäftigt und hatte kleinere Bestellungen zu machen.

31. Dezember 1915. Silvester. Freilich nicht die Stimmung von voriges Jahr. Es wurde zwar gefeiert, aber weniger. Ich bin schon früh zu Bett gegangen.

»I want to go home, / I want to go home, / The coal-box and shrapnel is whistle and roar, / I don’t want to go to the trenches no more, / I want to go over the sea / Where the Kayser can’t shoot bombs on me. / Oh, I / Don’t want to die,

I want to go home, / I want to go home, / I want to go home, / One day at Givenchy the week before last / The Allmands attacked and they nearly got past. / They pushed their way up to the Keep, / Through the maxim-gun sights we did peep, / Oh, my! / They let out to cry / They never got home.«

Robert Graves: Goodbye to All That, London 2000, S. 125

 

 

Eintrag