Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Berliner Tageblatt, 4. Juni 1916: »Der Bericht der deutschen Obersten Heeresleitung. / Amtlich. Großes Hauptquartier, 3. Juni. / Westlicher Kriegsschauplatz. / Gestern mittag eroberten württembergische Regimenter im Sturm den Höhenrücken südöstlich von Zillebeke (südöstlich von Ypern) und die dahinter liegenden englischen Stellungen. Es wurden ein leicht verwundeter General, ein Oberst und 13 andere Offiziere, sowie 350 unverwundete und 168 verwundete Engländer gefangen genommen. Die Gefangenenzahl ist gering, weil der Verteidiger besonders schwere blutige Verluste erlitt und außerdem Teile der Besatzung aus der Stellung flohen und nur durch unser Feuer eingeholt werden konnten. In der Nacht einsetzende Gegenangriffe wurden leicht abgeschlagen. Nördlich von Arras und in der Gegend von Albert dauert der Artilleriekampf an. In der Champagne, südlich von Ripont, brachten unsere Erkundungsabteilungen bei einer kleinen Unternehmung über 200 Franzosen gefangen ein. Westlich der Maas wurden feindliche Batterien und Befestigungsanlagen mit sichtbarem Erfolg bekämpft. Oestlich der Maas erlitten die Franzosen eine weitere Niederlage. In den Morgenstunden wurde ein starker Angriff gegen unsere neugewonnenen Stellungen südwestlich des Caillette-Waldes abgeschlagen, weiter östlich haben die Franzosen auf dem Rücken südwestlich von Vaux gestern in sechsmaligem Ansturm versucht, in unsere Gräben einzudringen; alle Vorstöße scheiterten unter schwersten feindlichen Verlusten. In der Gegend südöstlich von Vaux sind heftige, für uns günstige Kämpfe im Gange. Am Osthang der Maashöhen stürmten wir das stark ausgebaute […] Damloup; 320 unverwundete Franzosen, darunter […] Offiziere, und mehrere Maschinengewehre fielen in unsere Hand. Andere Gefangene gerieten bei der Abführung über Dieppe in das Feuer schwerer französischer Batterien.«

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Bei all dem ging es nur um wenige Kilometer. Verwüstete Äcker, Wälder, in denen kaum noch ein Baum stand und schon längst zerstörte kleine Dörfer. Verluste hatten natürlich nicht nur die feindlichen Regimenter zu beklagen. Wie hoch die jeweils deutschen Verluste waren, wurde in dem Bericht der Heeresleitung nicht erwähnt. (G. F. )

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

4.-8. Juni 1916

4. Juni 1916. Sonntag. Wieder ist eine Woche verflossen. Wie die Zeit hinrasselt, man hat keine Zeit zum Nachdenken. Ich bin dauernd auf der Kommandantur beschäftigt. Habe ein sehr gemütliches Leben. Abends bin ich meist allein, kann mich vor die Tür setzen oder in den Garten gehen. Am Donnerstag war Christi Himmelfahrt. Es wurde hier auch gefeiert. Ich war im Hochamt. Es war zwar nicht wie bei uns, aber ich war zufrieden. Die Damen aus der großen Ferme hier haben so schön gesungen. Der Gottesdienst kommt einem aber so arm vor.

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Manre. 7/6 16. Eine Ansicht aus Marne in der Champagne, wo wir 5 Tage waren, damals in der März-Offensive. Wünsche fröhliche Pfingsten. / Franz. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

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Ervillers, den 8. Juni 1916. Liebe Mutter u. Geschwister / sende noch umstehend die Mairie von Cisoenq, eine meiner letzten Aufnahmen. Franz. Fotografie: Franz Vogt

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Der nächste Beitrag erscheint am 11. Juni 2016

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