Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

»[…] die wilde Mär von ›russischen Autos‹, die mit achtzig Millionen französischen Goldes nach Russland unterwegs sind und Bomben zur Zerstörung von Telegraphenleitungen und Bahnübergängen mitführen, hat ihre Phantasie und ihre Angst auf das Äußerste gereizt.« Harry Graf Kessler: Das Tagebuch, 1880-1937 aus Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich: Deutschland im Ersten Weltkrieg. Frankfurt am Main 2013, S. 61.
Aufruf zur Erntehilfe in der Osnabrücker Zeitung vom 1. August 1914: »Wer nicht die Waffen trägt, wird sich freudig dem Vaterland zu friedlicher Arbeit zur Verfügung stellen.«

Aufruf zur Erntehilfe in der Osnabrücker Zeitung vom 1. August 1914: »Wer nicht die Waffen trägt, wird sich freudig dem Vaterland zu friedlicher Arbeit zur Verfügung stellen.«


»[…] Vor allem bei der ländlichen Bevölkerung löste die Nachricht vom Kriegsausbruch Schrecken und Irritation aus, zumal ihr mitten in der Ernte ein großer Teil der männlichen Arbeitskräfte entzogen wurde.« Wolfgang J. Mommsen: Der Erste Weltkrieg. Frankfurt am Main, 2004, S. 138.

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

4. August 1914

Unser Marsch geht weiter in der Richtung nach Versmold. Unterwegs kommt ein russisches Auto, wir sperren die Straße, aber dasselbe weicht aus und verschwindet in anderer Richtung. Meine Pferde, von denen zwei aus Riemsloh stammen, wollen bei jedem Wege links abbiegen. Die anderen Tiere werden auch unruhig, haben den ganzen Tag kein Wasser gekriegt. Mein Vorreiter, Gärtner Münch, hat seine liebe Last mit seinen drei Tieren. Das eine Pferd hat ihm schon auf den Fuß getreten. Die Kriegsstrapazen fangen schon an.

Der Regen setzt ein, wir sind schon ganz durchnässt, aber Gott sei Dank wird der Himmel wieder hell. Ich glaube das Wetter wird wieder gut. Wir kommen inzwischen in Versmold an. Die ganze Feuerwehr ist hier alarmiert, um feindliche Autos aufzuhalten. Wir machen kurze Rast, müssen dann aber weiter auf Sassenberg zu. Das Wetter wird nachmittags schön, so dass unsere Kleider wieder trocken werden. Es geht nach Sassenberg, wo wir einquartiert werden sollen, es ist jedoch kein Platz mehr da und so müssen wir weiter nach dem Gestüt Warendorf, wo wir mit über 100 Pferden und 30–40 Mann einquartiert werden.

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Aufruf zur Erntehilfe in der Osnabrücker Zeitung vom 1. August 1914: »Wer nicht die Waffen trägt, wird sich freudig dem Vaterland zu friedlicher Arbeit zur Verfügung stellen.«

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