Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

»Stille Nächte schleichen dahin wie Gespenster. Morgenkühle weht auf, mit übernächtigten Augen sehe ich den fahl gewordenen Kerzenschimmer und lösche das Licht. Alle Nächte sind eine Totenklage. Der Morgen ist von Nebeln überfallen und sein Glanz ist dahin!« Walter Flex: Der Wanderer zwischen beiden Welten. München 1917. S. 92.

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

4. Februar 1915

Schön ist’s, wenn einen der Krieg nichts angeht. Eine sonderbare Ruhe überkommt einen, wenn die Feuerstellung einem fernbleibt, aber was werden wir noch erleben. Diese Reservestellung 50 km hinter der Front kommt mir unheimlich vor. Aber sonderbar, man wird so kühl, so abgestumpft, man freut sich nur der augenblicklichen Stunde. Man lebt gut und spürt den Krieg nur dann, wenn man Briefe liest. Morgen früh geht’s einer unbestimmten Zukunft entgegen.

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Fr. den 4. Februar 1915. Sende herzlichen Gruß aus dem Felde. Fr.
Postkarte: Sammlung Franz Vogt

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