Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

»Den Menschen wurden enorme Opfer abverlangt. Bis Ende 1915 waren z.B. 640 000 französische Soldaten gefallen. Zivilisten litten unter immer stärkeren Entbehrungen, weil die Regierungen auch die letzten Ressourcen mobilisierten. In Deutschland wurde im Frühjahr 1915 ein gutes Drittel des Schweinebestandes geschlachtet, um Futtermittel zu sparen – wodurch sich die Lebensmittelknappheit 1916 aber verschärfte. Der bei Kriegsbeginn geschlossene politische ›Burgfriede‹ zerbrach. R. G. Grant: Der Erste Weltkrieg · Die Visuelle Geschichte. München 2014, S. 198

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Franz Vogt ganz rechts. Fotografie: n.n.

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

5.–10. Januar 1916

5. Januar 1916. Heute war für uns Kommunion in der Kirche zu Don.

6. Januar 1916. Heilige Drei Könige. Ich hab vom Feiertag wenig gespürt. Das Fest wird hier auch sonntags gefeiert. War heute nachmittag nach Seclin zum Generalkommando.

7. Januar 1916. Konnte heute mehrere schöne Aufnahmen in der Umgegend machen. Die Arbeiten werden immer mehr hier. Die Leute verlangen alle, wegzukommen.

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DER WAHRE JACOB war eine deutsche Satirezeitschrift, die von 1879 bis 1933 erschien. Sie war zeitweise die meistgelesene Zeitschrift im Umfeld der SPD. Jede Ausgabe des Blattes wurde polizeilich überwacht, aber es gelang nie, Beweise vorzulegen, die für ein Verbot ausgereicht hätten, bis 1933. Schon im Jahr der Machtergreifung Hitlers, wurde die Zeitschrift verboten. Abb.: Titelblatt der Ausgabe vom 7. Januar 1916, Illustration: Arthur Krüger (AKgr, 1866–1927)

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Der schottisch-australische Sänger Eric Bogle sah 1976 die Soldatenfriedhöfe aus dem Ersten Weltkrieg in Nordfrankreich und Flandern. Diese Eindrücke waren Impulsgeber für No Man’s Land, auch unter den Titeln The Green Fields of France oder Willie McBride. Willie McBride ist der Name auf einem der vielen Kreuze. Er starb mit 19 Jahren. Hannes Wader hat 1980 in Anlehnung an den Text von Bogle eine deutsche Fassung mit dem Titel Es ist an der Zeit aufgenommen. Bei der Demonstration in Berlin gegen den Irak-Krieg im Februar 2003 wurde das Lied von Hannes Wader, Konstantin Wecker und Reinhard Mey gemeinsam vorgetragen.

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8. Januar 1916. Sonntag heute. War heute wieder zum Generalkommando Seclin. Sonst habe ich keine Beschäftigung gehabt.

9. Januar 1916. Konnte heute nach Lille fahren, um Einkäufe zu machen. Sonst habe ich keine Arbeiten zu tun gehabt.

10. Januar 1916. War heute nachmittag mit zur Front, um Munition abzuliefern. Es war sehr lebhaft dort. Etwas weiter rechts ein Feuerüberfall, sonst das gewohnte Leben an der Front.

 

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