Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

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Berliner Tageblatt, 8. April 1917

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

8. April 1917

Ostern. Der dritte Ostern im Felde. Traurig. Und was für ein Ostern. Habe nicht die Kirche besuchen können. Ich war heute zum Nachbardorf Sains-le-Marquion. Hier steht eine neue moderne Kirche. Beim Hingehen suche ich den schlanken Kirchturm, aber vergebens. Es war auch ein Steinhaufen. Das Herz krampfte sich. Ein Wehe beschleicht einen, wenn man dies alles sehen muss. Es ist zu viel. Die Nerven leiden doch zu solchen Trümmern. Der Krieg wird immer härter. Im ersten Jahr wurden die Kirchtürme vorsichtig niedergelegt. Jetzt wird alles gesprengt. Wehe dem armen Frankreich. Es hat seine Kirchen verwahrlosen lassen, in Zukunft hat manches Dorf keine Kirche mehr.

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Frise im Dépatement Somme, April 1917. Postkarte: privat

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Ostern an der Ostfront. Ein Offizier aus Württemberg schrieb an seine Frau am 20. April 1917 aus der Bukowina: »Die russischen Ostern wurden in Stellung recht gefeiert. Russen und deutsche Soldaten und Offiziere kamen zwischen den Gräben zusammen, tauschten Eßwaren und Rum aus. Abwechslungsreich spielte die deutsche und russische Musikkapelle. Die Friedensgedanken, die bei den Russen noch mehr Platz haben als bei uns, wurden ausgetauscht. Aber kann in unserem Abschnitt allein nicht Frieden gemacht werden und nun ist der Kriegszustand wieder hergestellt, doch wird geschont, wo es geht. Also ein strammer Krieg ist hier nicht mehr zu erwarten.« Quelle: Privatbesitz. Der nördliche Teil der Bukowina liegt heute in der Ukraine, der südliche in Rumänien.

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Versprechen des Kaisers für die Zeit nach dem Krieg. Berliner Tageblatt, 8. April 1917

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Seite 2 des Berliner Tageblatt. Fast im ›Kleingedruckten‹ die Kriegserklärung Woodrow Wilsons. Berliner Tageblatt, 8. April 1917

 

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