Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

1917-07-08_bt Berliner Tageblatt, 8. Juli 1917

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

8. Juli 1917

(Drittes Buch)

Sonntag. Heute morgen um neun Uhr kam ich von meiner Urlaubsreise in Gent an. Ich war in der Stadt des nachmittags. Vier Uhr fuhr ich dann weiter nach Courtrai, wo ich kurzen Aufenthalt hatte. Kam dann nachher nach Roulers, hatte dort wieder fünf Stunden Aufenthalt. Ich habe mir Gent und die andere Stadt ansehen können. War im Hochamt, heute nachmittag in Roeselare in der Andacht. Mir ist heute so weh ums Herz, ich kann es keinem sagen. Ganz allein stehe ich hier in der fremden Stadt. Nur in der Kirche finde ich Beruhigung und Kameraden. Die Soldaten beten so andächtig, sie fühlen sich auch verlassen und suchen hier Zuflucht. Eine alte Mutter betet dort vor einem Gnadenbild, vielleicht auch für ihre Soldaten. Sie erinnert mich stark an mein Mütterlein. Ich weiß nicht – ich muss weinen. Ich kann nicht anders, wenn ich dran denke. Gestern noch konnte ich bei ihnen sein und heute bin hier so verlassen allein in weiter Welt, wo’s kein Erbarmen und Liebe mehr gibt. Ich bete: Herr, mach’ Ende diesem Jammer. Du kannst es und wirst es, auf Dich baue ich, Oh Herr, jetzt wo die ganze Welt in Hass und Rachsucht kocht.

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»Um Zivilisten im besetzten Belgien daran zu hindern, ins neutrale Holland zu fliehen, sicherten die Deutschen 1915 die Grenze zwischen den beiden Ländern mit einem Stacheldrahtzaun, den sie unter eine tödliche elektrische Spannung von 2000 Volt setzten. Einigen gelang es, ihn zu überwinden, aber mindestens 300 Menschen ließen ihr Leben bei dem Versuch.« Adam Hochschild: Der große Krieg. Bonn 2014, S. 284 f.

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Gebet für den Sonntag. […] Papst Benedikt XV: »In der Angst und Not eines Krieges, der die Völker und Nationen in ihrem Bestande bedroht, fliehen wir, o Jesus, zu deinem so liebevollen Herzen, als zu unserem sichersten Zufluchtsorte. Zu dir, o Gott, der Barmherzigkeit, flehen wir mit Inbrunst: wende ab diese schreckliche Geißel! Zu dir, o Friedenskönig, rufen wir alle in inständigem Gebete: Gib uns bald den ersehnten Frieden! […] Einst hast du auf den Hilferuf des Apostels Petrus: „Rette uns, o Herr, denn wir gehen zu Grunde“ voll Liebe gehört und den empörten Meereswogen Ruhe geboten; o so laß dich auch heute versöhnen, erhöre gnädig unser vertrauensvolles Gebet und gib der stürmisch bewegten Welt wieder Ruhe und Frieden. Und du, allerseligste Jungfrau, wie früher in den Zeiten größter Not, so hilf uns auch jetzt! Beschütze uns und rette uns. Amen.« Kriegsgebete für alle Tage der Woche. Hrsg. Von einem Feldpater. München 1915, S. 2-3

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