Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

8. Oktober 1914

Heute traf ich auf Selhöfer aus Gesmold. Derselbe wurde nämlich schon totgesagt. Er sollte im Kriege gefallen sein, hatte doch der Pastor in Gesmold schon für seine ewige Ruhe gebetet. Gott sei Dank war er nur verwundet gewesen und war schon wieder auf dem Damm. Wir haben noch keine Nachricht, dass wir ausrücken müssen. Es wär auch schade, die alte Dame und das Fräulein sorgen vorzüglich für uns.

Heute machte ich mit Kameraden Spaziergänge in den Anlagen. Es kommt wieder ein großer Verwundetentransport von der Bahn. Einige Bremer Autos rollen mit Liebesgaben verpackt den Neuen Graben herunter. Die Wagen fahren direkt ins Feld und bringen den Soldaten Zigarren, Tabak, Unterzeug und andere Sachen. Ein Hamburger Auto kommt aus dem Felde und am Neumarkt an. Sofort wittern die Leute einen Franzosenanzug mit roten Hosen darin und schon ist das Auto förmlich belagert.

Heute Abend hatt’ ich bei den Damen im Quartier auch gemütliche Unterhaltung. Wir haben noch keine Nachricht, wann’s los geht. Kann deshalb noch ruhig zu Bett gehen. Es wär auch zu schade.

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