Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt

Alle Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

9.–13. April 1915

9. April 1915. Heute haben wir mit dem Legen von Blumengärten begonnen. Es kommt fast vor jedes Haus ein Vorgarten. Jeder Wagen tut nun sein Äußerstes, um die Anlage möglichst schön zu machen. Vorläufig haben wir mal alle Mistlöcher zugefahren.

10. April 1915. Heute wurde wieder an den Gärten gearbeitet. Wir haben vor unserem Quartier keine größere Arbeit. Der Platz ist nicht groß, außerdem ist auch kein Loch da. Heute Nachmittag sind wir schon zum Felde und im Wald gewesen und haben Sträucher, Moos und Efeu geholt.

11. April 1915. Sonntag heute. Weißer Sonntag. Gestern Abend hab ich drei Pakete erhalten, von Hibbeler und von Haus. Außerdem noch eins von Nienburg. Es ist so wunderschönes Wetter heute, hoffentlich ist’s in der Heimat auch so, damit sie diesen Tag auch schön feiern können. Wie manche Erinnerungen erregt er in uns. Jetzt freue ich mich, wenn’s zu Hause man gut ist. Gott gebe doch, dass in dieser Zeit keine schlechte Nachricht kommt, ich glaube, das würde ich nicht aushalten. Lieber Gott, lass sie doch alle gesund und munter. Ich fühle jetzt doch so recht, ein Kamerad sitzt in der Ecke im Stroh, er beweint seine Schwester, ist im Wochenbett gestorben.

12. April 1915. Heute haben wir unseren Garten fertig gekriegt. Derselbe ist von uns angelegt, ist schön geworden. Leider wurde bei den anderen Gärten das Eigentum der Einwohner nicht geschont. Es ist gut hier. Wird nur später der Krieg nicht auf’s Herz stoßen. Ich hab mich ziemlich in acht genommen.

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»Die paradoxe Reaktion, angesichts des großen Bösen das kleine Gute zu suchen, ist zutiefst menschlich und gewiss kein Anlass für Spott. Unangenehm sind eher solche Leute, die unausgesetzt vom Menschheitswohl reden oder Plakate hochhalten, im privaten Umgang hingegen wenig Achtsamkeit für andere zeigen.« Gero von Randow in Die Zeit am 28. August 2014.

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13. April 1915. Heute wurden die Gärten vom Artilleriekommandanten besichtigt. Man kennt die Straße gar nicht wieder. Wo sonst Misthaufen, sind jetzt lauschige Plätzchen und Gärtchen angelegt. Teils sind dieselben mit Birkenholz eingezäunt. Das Vergnügen wird aber nicht von Dauer sein. Wir kommen weg. Aber wohin?

 

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