Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann

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»Während in Deutschland die Erinnerung an diese Kämpfe hinter dem Mythos Verdun verblasst ist, bestimmt sie für die Briten, aber auch für Kanadier, Neuseeländer und Australier, bis heute das kollektive Gedächtnis. Der Klatschmohn der flandrischen Felder ist zum Zeichen der Erinnerung dieses Krieges geworden und es bis heute geblieben.« Herfried Münkler: Der Große Krieg. Die Welt 1914 – 1918 (Berlin 2013, S. 640).
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Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

9. Juli 1917

Gestern Abend komme ich spät in Houthulst an, einem Dörfchen unweit Roeselaire. Die Bewohner des Dorfes sind 14 bis auf fünf Männer ausgerückt, also von Zivil geräumt. Die Kämpfe scheinen hier damals ziemlich hart gewesen zu sein. Die Kirche, groß und stattlich, hat nämlich einige Treffer. Um den Kirchhof befindet sich der Militärfriedhof mit über tausend Gräbern. Außerdem sind im nahen Wald noch große Friedhöfe. Man merkt, dass man in die Nähe des Meeres kommt. Die Gegend ist wasserreich und eben, ganz flach. Es ist nicht gerade schön hier. Überhaupt, wenn kein Zivil mehr da ist, sind die Dörfer unfreundlich und öde. Wir liegen in Bereitschaftsstellung, es wird eine Offensive der Engländer vermutet.

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Aus den Erinnerungen des französischen Infanteristen René Arnaud: »Im Schein der Signalraketen verrichten sie ihre unangenehme Arbeit. Körper um Körper wird auf ein Stück Persenning gehoben, das als behelfsmäßige Bahre dient, und dann zu dem improvisierten Grab geschleppt. Obwohl die Leichen schon ›im Zerfall begriffen sind‹, erkennen sie jeden einzelnen von ihnen: Bérard (wie so viele andere vom Beschuss durch das deutsche Maschinengewehr drüben bei Ravin de la Dame getötet, das ihre Stellung in Längsrichtung bestrichen hatte), Bonheure (der Melder, der den Wein so liebte), Mafieu (der Koch, der zur Strafe für Trunkenheit im Dienst zum Fußsoldaten degradiert wurde), Mallard (der aus der Vendée mit seinen schwarzen Haaren und blauen Augen, der verblutete, als ihm seine eigene Handgranate einen Fuß abriss), Jaud (Arnauds alter Korporal, sonnengegerbt, mit seinen sanften Kinderaugen und seinem grässlichen Bart), Ollivier (der tapfere, pflichttreue kleine Ollivier mit seinem glatten blonden Haar), Sergeant Cartelier (groß, schlank und jederzeit erkennbar an seinen besonders flachen Stiefeln, die er gegen jede Vorschrift trug) usw.« Aus den Erinnerungen des französischen Infanteristen René Arnaud. Peter Englund: Schönheit und Schrecken, Berlin 2011, S.298 f.

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In Flanders fields the poppies blow / Between the crosses, row on row, / That mark our place; and in the sky / The larks, still bravely singing, fly / Scarce heard amid the guns below. / We are the Dead. Short days ago / We lived, felt dawn, saw sunset glow, / Loved, and were loved, and now we lie / In Flanders fields.

John McCrae: In Flandern Fields, Boezinge 1915

In Flanders Fields ist ein Gedicht des Canadischen Militärarztes und Dichters John McCrae. John McCrae starb am 28. Januar 1918 während des Dienstes im Canadian General Hospital in Boulogne.

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Der nächste Beitrag erscheint am 15. Juli 2017.

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