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Aufzeichnungen und Fotografien des Gefreiten der Landwehr Franz Vogt (1878−1944) aus Gesmold, Landkreis
Osnabrück, vom 2. August 1914 bis
16. Dezember 1918, herausgegeben und
kommentiert von Gisela Fleischmann


Osnabrücker Zeitung 2. August 1914

Die Abbildung im Kopf der Seite zeigt einen Ausschnitt aus einer französischen Postkarte mit französischen, belgischen und luxemburger Soldaten: Frontière franco-belge-luxembourgeoise Longwy—Arlon—Luxembourg. Postkarte: Sammlung Franz Vogt.

Die Aufzeichnungen und Zitate erscheinen in der Schreibweise der Originale.

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Franz Vogt

Gefreiter der Landwehr

1914–1918

1. August 1914

Franz Vogt Frankreich, September 1915

Franz Vogt in Frankreich Fotopostkarte September 1915

Franz Vogt bekam seinen Stellungsbefehl zum Artillerieregiment Nr. 20 am 3. August 1914. In vier kleinen schwarzen Kladden schrieb er seine Erlebnisse und Beobachtungen auf. Oft nur scheinbar Nebensächliches, aber auch das, was die Welt verändern sollte. Er sammelte und verschickte Postkarten (Ansichten) und machte, so lange er das Material dazu bekommen konnte, Fotografien. Wie Selbstgespräche notierte er Erfahrungen und Erlebnisse, oft auch nur die Ereignislosigkeit und das Warten. Aus heutiger Sicht erschreckend naiv. Vieles bleibt vage, wird lediglich angedeutet. Die Zensurauflagen der Obersten Heeresleitung für private Notizen und Feldpost waren für ihn bestimmt nur schwer nachvollziehbar. Nichtbeachtung wurde bestraft.

Als Gefreiter der Landwehr, bewegte sich Franz Vogt auf der militärischen Karriereleiter ganz unten. Da wurden weder Fragen gestellt noch Entscheidungen getroffen. Antworten wird es im Folgenden kaum geben, auch keine Provokationen, Irritationen schon. Die Wahrheit bleibt, wie immer, verborgen. Ein Mosaik, in dem jedes Teilchen mit trauernder Erinnerung belegt ist. Für Franz Vogt war die Mobilmachung ganz sicher kein Aufbruch zu einer patriotischen Fahrt ins Blaue.

»Am vernünftigsten waren eigentlich die armen und einfachen Leute; sie hielten den Krieg gleich für ein Unglück, während die bessergestellten vor Freude nicht aus noch ein wußten, obschon gerade sie sich über die Folgen viel eher hätten klarwerden können.« Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues, Frankfurt am Main 1988, S. 14

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Die Familie Vogt betrieb in Gesmold, heute Landkreis Osnabrück, ein Geschäft für Haushaltswaren, Werkzeuge, Schreibartikel, Gartengeräte und vieles mehr – vom Bleistift bis zum Bindfaden, von der Kuchenform bis zur Kristallvase, vom Nachttopf bis zur Mistgabel – ein kleines Kaufhaus. Wie in Gesmold noch bis in die späten 1950er Jahre üblich, gehörte zum Anwesen ein Gemüsegarten, ein paar Hühner, ein Schwein und eine kleine Landwirtschaft.

Nach dem frühen Tod des Vaters Franz Heinrich (18351896) lebten im Vogt’schen Haushalt die Mutter Maria Elisabeth geb. Wiemann (1848–1918), die Kinder Franz (der Tagebuchschreiber), Elisabeth (1871–1944) und Heinrich (1874–1934). Mutter und Schwester besorgten den Haushalt und Franz das Geschäft. Die Schuhmacherwerkstatt des Bruders Heinrich befand sich in einem kleinen Anbau. Diese drei Geschwister blieben unverheiratet. Die Schwester Maria Catharina (1875–1940) lebte ab 1904 mit ihrem Ehemann Conrad Hibbeler (1872–1948) in Dratum-Ausbergen. Franz Vogt war der Taufpate ihres einzigen Kindes, der Tochter Maria (1905–2006). Die Schwester Anna (1877–1954) heiratete 1913 den Knecht Caspar Baumgarte in Gesmold.

 

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